Thermoformen oder Metall – die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick
Thermoformen und Metallverarbeitung unterscheiden sich unter anderem hinsichtlich Werkstoff, Werkzeugkonzept, Bauteilgröße, Stückzahl, Bauteileigenschaften und Wirtschaftlichkeit. Die folgende Gegenüberstellung zeigt die wichtigsten Unterschiede. Die angegebenen Stückzahlbereiche dienen der Orientierung. Die Wirtschaftlichkeit hängt unter anderem von Bauteilgröße, Geometrie, Werkstoff, Werkzeugaufwand und Nachbearbeitung ab.
| Parameter | Thermoformen | Parameter | Metall |
|---|---|---|---|
| WERKZEUG | WERKZEUG | ||
| Werkzeugkosten | Niedrig bis mittel | Werkzeugkosten | mittel bis hoch |
| Herstellung | vergleichsweise einfach und schnell | Herstellung | aufwendig |
| Änderungen | häufig mit vergleichsweise geringem Aufwand möglich | Änderungen | abhängig vom Fertigungsverfahren |
| Aufbau | vergleichsweise einfacher Werkzeugaufbau | Aufbau | je nach Fertigungsverfahren unterschiedlich |
| MATERIAL | Große Auswahlmöglichkeit an Kunststoffen (ABS, PS, ASA, PMMA etc.) in Bezug auf Stabilität, Temperaturbeständigkeit, Witterungsbeständigkeit, Chemikalienbeständigkeit und Brandschutzverhalten. Auch faserverstärkte, flammgeschützte oder UV-beständige Werkstoffe möglich. | MATERIAL | Große Auswahl an Metallen (Stahl, Edelstahl, Aluminium etc.) |
| BAUTEILGRÖSSE | BAUTEILGRÖSSE | Große Bandbreite an Bauteilgrößen realisierbar; die Wirtschaftlichkeit ist stark vom Fertigungsverfahren abhängig (z. B. Blech Kanten oder Blech Tiefziehen) | |
| Kleine Bauteile | Technisch möglich, wirtschaftlich meist nicht ideal. | Kleine Bauteile | Je nach Anforderung wirtschaftlich als gekantetes oder gestanztes Blechteil |
| Mittlere Bauteile | Besonders wirtschaftlich für mittelgroße Kunststoffbauteile. Bei Hesse Thermoformung fertigen wir Bauteile ab etwa 300 × 300 mm wirtschaftlich in kleinen bis mittleren Serien. | Mittlere Bauteile | Wirtschaftlich abhängig von Geometrie, Material und Fertigungsverfahren |
| Große Bauteile | Besonders wirtschaftlich fertigen wir großformatige Kunststoffbauteile ab etwa 1200 × 800 mm (ähnlich einer Europalette). Gerade in diesem Größenbereich spielt das Thermoformen seine Vorteile gegenüber anderen Fertigungsverfahren besonders aus. | Große Bauteile | Je nach Stückzahl als gekantetes oder tiefgezogenes Blechteil wirtschaftlich realisierbar |
| MENGE | MENGE | ||
| Prototyp | Geeignet ab 1 St. | Prototyp | Je nach Geometrie und Fertigungsverfahren ab Stückzahl 1 möglich |
| Kleine Serie | Geeignet ab ca. 50 - 200 St. abhängig von der Größe des Bauteils | Kleine Serie | Geeignet, beispielsweise als gekantetes, geschnittenes oder geschweißtes Blechteil |
| Mittlere Serie | Sehr wirtschaftlich ab ca. 200 - 1.000 St. | Mittlere Serie | Je nach Bauteil und Fertigungsverfahren wirtschaftlich realisierbar |
| Großserie | Je nach Bauteilgröße und Geometrie auch bei ca. 1.000 - 10.000 St. und darüber hinaus wirtschaftlich | Großserie | Bei geeigneter Geometrie beispielsweise als tiefgezogenes Blechteil wirtschaftlich |
| STÜCKKOSTEN | STÜCKKOSTEN | ||
| Kleinserie | Vergleichsweise günstig | Kleinserie | je nach Geometrie und Fertigungsverfahren wirtschaftlich |
| Mittlere Serie | häufig sehr wirtschaftlich | Mittlere Serie | je nach Geometrie und Fertigungsverfahren wirtschaftlich |
| Großserie | wirtschaftlich, insbesondere bei großformatigen Kunststoffbauteilen (z. B. ab 1200 × 800 × 150 mm) | Großserie | je nach Bauteil und Verfahren wirtschaftlich, z. B. als tiefgezogenes Blechteil |
| GEOMETRIE | Dreidimensional, Hinterschneidungen nur eingeschränkt möglich, Anbringung von Versteifungen und Halterungen nachträglich durch Montage (Kleben, Schweißen) möglich | GEOMETRIE | Dreidimensionale Bauteile je nach Fertigungsverfahren realisierbar; komplexere Geometrien können mehrere Fertigungsschritte und Fügeverfahren erfordern. |
| OPTIK/HAPTIK | OPTIK/HAPTIK | ||
| Farbe | Große Farbauswahl über das Plattenmaterial möglich | Farbe | Große Farbauswahl durch Lackierung oder Beschichtung möglich |
| Glanzgrad | Verschiedene Glanzgrade von glänzend bis matt möglich. | Glanzgrad | Unterschiedliche Glanzgrade durch Werkstoffauswahl und Nachbearbeitung möglich |
| Oberflächen | Zahlreiche Oberflächentexturen von glatt bis genarbt möglich. | Oberflächen | Unterschiedliche Oberflächen durch Werkstoffauswahl und Nachbearbeitung möglich |
| EIGENSCHAFTEN | EIGENSCHAFTEN | ||
| Mechanische Eigenschaften | Geringes Gewicht sowie – abhängig vom verwendeten Kunststoff – mittlere bis hohe Biege- und Zugfestigkeit sowie Oberflächenhärte. | Mechanische Eigenschaften | Vergleichsweise hohes Gewicht, hohe Biege- und Zugfestigkeit, hohe Oberflächenhärte |
| Elektrische Eigenschaften | Viele thermoplastische Kunststoffe sind elektrisch isolierend; durch entsprechende Additive sind auch elektrisch leitfähige bzw. ableitfähige Werkstoffe möglich | Elektrische Eigenschaften | Elektrisch leitfähig, Leitfähigkeit abhängig vom Werkstoff |
| Thermische Eigenschaften | Geringe Wärmeleitfähigkeit | Thermische Eigenschaften | Hohe Wärmeleitfähigkeit |
| Chemische Eigenschaften | Mittlere bis sehr hohe Chemikalienbeständigkeit je nach Kunststofftyp | Chemische Eigenschaften | Geringe bis hohe Chemikalienbeständigkeit je nach Metalltyp |
| Brandverhalten | Je nach Kunststofftyp und Flammschutzausrüstung bis UL 94 V-0 bzw. weiteren Brandschutzklassen erhältlich | Brandverhalten | Nicht brennbar |
| NACHBEARBEITUNG | In der Regel erforderlich, z. B. CNC-Fräsen, Bohren oder Stanzen, zusätzliche Oberflächenbehandlung ist häufig nicht erforderlich, aber möglich | NACHBEARBEITUNG | Je nach Fertigungsverfahren und Bauteil in der Regel erforderlich, z. B. Stanzen oder CNC-Fräsen oder Lasern oder Wasserschneiden. Zusätzliche Oberflächenbearbeitung kann je nach Werkstoff und Anwendung erforderlich sein, z. B. Grundieren und Lackieren, Pulverbeschichten oder KTL-beschichten |
| PROTOTYP | Sehr gut geeignet | PROTOTYP | je nach Fertigungsverfahren gut geeignet, Metall-Tiefziehen aufgrund des Werkzeugaufwandes für Einzelteile häufig nicht wirtschaftlich |
| ENTWICKLUNGSZEIT | Kurz durch vergleichsweise einfach und schnell herstellbare Werkzeuge | ENTWICKLUNGSZEIT | Blechbearbeitung/Kanten: kurz Metall-Tiefziehen: vergleichsweise lang durch aufwendigere Werkzeugherstellung |
| ZYKLUS | Kurz | ZYKLUS | Blechbearbeitung/Kanten: abhängig von Geometrie und Anzahl der Bearbeitungsschritte Metall-Tiefziehen: sehr kurz |
| RÜSTZEIT | Kurz | RÜSTZEIT | Blechbearbeitung/Kanten: abhängig von Bauteil und Fertigungsverfahren Metall-Tiefziehen: mittel |
Kunststoff oder Metall? Die technischen Eigenschaften entscheiden
Die Entscheidung zwischen Kunststoff und Metall sollte nicht allein auf Basis von Werkzeug- und Stückkosten getroffen werden. Entscheidend ist, welche technischen Eigenschaften das Bauteil für die jeweilige Anwendung tatsächlich benötigt.
Kunststoffe bieten je nach Werkstoff eine Vielzahl unterschiedlicher Eigenschaften. Viele thermoplastische Kunststoffe sind elektrisch isolierend und weisen im Vergleich zu Metallen eine geringe Wärmeleitfähigkeit auf. Durch die Auswahl des geeigneten Kunststoffs lassen sich darüber hinaus Anforderungen an UV- und Witterungsbeständigkeit, Chemikalienbeständigkeit oder Brandverhalten gezielt berücksichtigen.
Metalle bieten in der Regel eine hohe mechanische Festigkeit und Oberflächenhärte und sind als Werkstoff nicht brennbar. Für hoch belastete oder tragende Konstruktionen kann Metall deshalb technisch erforderlich oder die geeignetere Werkstoffwahl sein.
Die Werkstoffauswahl sollte daher immer anhand des konkreten Anforderungsprofils des Bauteils erfolgen.
Wann ist Thermoformen eine interessante Alternative zu Metall?
Thermoformen kann insbesondere dann eine interessante Alternative zu Metall sein, wenn die spezifischen Eigenschaften eines Kunststoffbauteils für die Anwendung Vorteile bieten. Eine Prüfung lohnt sich beispielsweise, wenn:
- das Gewicht des Bauteils reduziert werden soll,
- eine hochwertige Sichtoberfläche bereits über das Plattenmaterial realisiert und auf eine zusätzliche Lackierung oder Beschichtung möglichst verzichtet werden soll,
- ein korrosionsbeständiges Bauteil ohne zusätzlichen Korrosionsschutz benötigt wird,
- elektrisch isolierende Eigenschaften gefragt sind,
- eine geringe Wärmeleitfähigkeit von Vorteil ist,
- bei einem dreidimensionalen Bauteil vergleichsweise niedrige Werkzeugkosten wichtig sind,
- eine energieeffiziente Fertigung mit möglichst wenigen Prozessschritten angestrebt wird,
- oder mehrere Bauteile einer Metallkonstruktion in einem Kunststoffbauteil zusammengefasst werden können.
Besonders interessant ist Thermoformen für Gehäuse, Verkleidungen, Abdeckungen und andere mittelgroße bis große Bauteile, bei denen die hohe mechanische Festigkeit eines Metallbauteils für die eigentliche Funktion nicht erforderlich ist.
Thermoformen vs. Metall – welches Verfahren ist wirtschaftlicher?
Darauf gibt es keine allgemeingültige Antwort. Die Wirtschaftlichkeit hängt unter anderem von Bauteilgröße, Geometrie, Stückzahl, Werkstoff und den erforderlichen Fertigungsschritten ab.
Thermoformen kann insbesondere bei mittelgroßen bis großen Gehäusen, Verkleidungen, Abdeckungen und Wannen wirtschaftlich interessant sein. Vergleichsweise niedrige Werkzeugkosten und die Möglichkeit, Farbe und Oberfläche bereits über das Plattenmaterial zu realisieren, können sich dabei positiv auf die Gesamtkosten auswirken.
Auch Metall kann wirtschaftliche Vorteile bieten. Ein einfaches gekantetes Blechteil lässt sich beispielsweise bereits in sehr kleinen Stückzahlen wirtschaftlich herstellen. Bei hohen Stückzahlen kann wiederum das Tiefziehen von Metall aufgrund der kurzen Zykluszeiten interessant sein.
Für einen aussagekräftigen Kostenvergleich sollten deshalb nicht nur die Stückkosten betrachtet werden. Zu berücksichtigen sind unter anderem:
- Werkzeugkosten
- Materialkosten
- Energieaufwand der Fertigung
- Anzahl der Fertigungsschritte
- Montageaufwand
- Oberflächenbehandlung
- Bauteilgewicht
- Änderungsaufwand
- geplante Jahresstückzahl
- erwartete Produktlaufzeit
Erst aus der Betrachtung der gesamten Prozesskette lässt sich beurteilen, welche Lösung für das jeweilige Bauteil wirtschaftlicher ist.
Entscheidungshilfe: Thermoformen oder Metall?
Welches Verfahren für ein Bauteil besser geeignet ist, hängt vom Zusammenspiel verschiedener Anforderungen ab. Die folgende Übersicht zeigt, welches Verfahren bei typischen Entscheidungskriterien tendenziell Vorteile bietet.
| Anforderung | Thermoformen | Metall |
|---|---|---|
| Mittelgroße und große Kunststoffteile | besonders geeignet | geeignet |
| Kleine und mittlere Stückzahlen | häufig wirtschaftlich | abhängig vom Fertigungsverfahren häufig wirtschaftlich |
| Geringe Werkzeugkosten | vergleichsweise geringe Investition | abhängig vom Fertigungsverfahren |
| Geringes Bauteilgewicht | Vorteil | häufig höheres Bauteilgewicht |
| Hochwertige Sichtoberflächen | über Plattenmaterial realisierbar | häufig zusätzliche Oberflächenbehandlung |
| Korrosionsbeständigkeit | ohne zusätzlichen Korrosionsschutz möglich | abhängig vom Metall bzw. Oberflächenschutz |
| Elektrisch isolierende Eigenschaften | mit geeigneten Kunststoffen realisierbar | elektrisch leitfähig |
| Hohe mechanische Belastbarkeit | abhängig vom Kunststoff | Vorteil |
Sie prüfen unterschiedliche Verfahren für Kunststoffbauteile? Im Vergleich Thermoformen oder Spritzguss zeigen wir die Unterschiede bei Werkzeugkosten, Stückzahlen, Bauteilgrößen und konstruktiven Möglichkeiten.
Kunststoff statt Metall für Ihr Bauteil prüfen
Sie möchten wissen, ob sich Ihr Bauteil statt aus Metall auch als thermogeformtes Kunststoffbauteil realisieren lässt?
Sprechen Sie mit uns über Ihre Anforderungen. Gemeinsam betrachten wir Bauteilgröße, Stückzahl, Geometrie, Material und die benötigten Bauteileigenschaften und prüfen, ob Kunststoff-Tiefziehen für Ihre Anwendung technisch und wirtschaftlich sinnvoll ist.
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